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Open mic night, Kult 41
Januar 2026

🎤

P h a s e n 〜
w e i s e

(…)

Manche von euch kennen es vielleicht selbst:
In einem Moment seid ihr gut drauf – im Flug,
und dann kippt die Stimmung.

Höhenflug, Absturz. 
Nichts dazwischen.
Gute Laune, miese Laune – im Blitzwechsel.
Reizbarkeit, Ausraster, Gehirnchaos. 

Im Ernst:
Diese Tage sind anstrengend.

Manche sagen:
“Die hat mal wieder ihre Phasen.”
Ich sage: Phasenweise.

Gute Tage.
Und schlechte Tage, die wiederkehren.
Die dazugehören.

Aber was ist eigentlich – ein schöner Tag?

Ein Tag, an dem ich lieber schlafen als lachen mag – oder umgekehrt?

Ein Tag, an dem ich ausgeglichen bin – verglichen mit meiner Sorgenstirn.

Ein Tag, an dem meine dünne Haut nicht zerreißt
und meine Stimmung nicht in zwei Teile entgleist:

Up – Down
On – Off
Top – Bottom…

wenn ich nicht in eine dieser Richtungen kippe,
sondern zwischen Dünnhäutigkeit bleib-
und meterdickem Fell,

zwischen Taubheit und 180 Dezibel,
zwischen Hochdruck und viel zu wenig Reiz,
zwischen Gereiztheit,
„Geiz ist geil“
und
Geld zum Fenster hinauswerfen,
zwischen ganz egal …

und an der Schwelle disharmonisch vibrierender Nerven.

In minimaler Verweilzeit:
von total gut drauf,
euphorisch viele Sachen machen

am liebsten alle auf einmal –

plötzlich: ein Zustand im Vakuum – verloren,

eingefroren im Pulsschlag,
ertrag ich die Situation,
lass sie über mich ergehen.

Dazwischen wäre schön.
Stimmung ausgeglichen und stabil,
nicht zu niedrig, nicht zu viel.

Langlebig auf dem Mittelwert –
zwischen Wellental und Wellenberg.

Ich denk dann immer so:
von wegen neurodivergent, neurodivers –
bei mir so: neu 〜 ro 〜divorce.

Und nicht nur rechte und linke Gehirnhälfte,
die ja für gewöhnlich
zusammen-
arbeiten 

… sollten…

In meinem Raumzeit-
Oberstübchen…nö.
Da tingeln sogar einzelne Fragmente umher.

Was Fragmente?
Fuckmente – im Vakuum,
wie Weltraumschrott in meinem Universum.

Mein Tag in Fuckmenten
ist ein schlechter Tag.

„Gönn dir“, sagt mein Sohn,
wenn ich Down bin und im Bett liegen bleibe,
mir Schokolade wie diese Fuckmente einverleibe.

„Ruhig Braune“, sagt meine Kollegin,
wenn sie merkt, dass ich im angeregten Zustand Richtung Up
abgleite
oder eher auftreibe,
mich aufreibe.

„Ruhig Braune“ –
nein, ich kann jetzt nicht ruhig bleiben!

Mich
zusammenreißen?
Zähne
zusammenbeißen?
Gelingt nicht.

Erst denken, dann handeln?
Fehlanzeige.

Erst denken, dann sprechen?
Nee, du Arschgeige!

Meine Energie,
zusammen-
geballt,
wird in verschiedene Richtungen abgestrahlt,
auseinander-
gerissen – abrupt.

Zwei Elementarteile fliegen,
werden an die entgegen-
gesetzten Ränder des Sonnensystems vertrieben.

Aber dazwischen,
zwischen Milliarden Bar und Nullpunkts-schwingung,

zwischen
„Gönn dir“ und
„Ruhig Braune“,

hab ich jetzt ein Band gespannt,
ein Seil, eine Kette.

Darauf will ich balancieren
und dabei den Halt auf keinen Fall verlieren.

Ich als Kraftquant, mit den Gegensätzen in der Hand –
damit jongliere,
und ich glaube daran,
dass ich die Teile am Ende der Strecke – zusammenführe –
zusammenführen kann.

Denn Gegensätze ziehen sich an,
verschwinden dann und wann
und werden zu Licht.

Aber sie kehren auch zurück –
das ist dann,
wenn bei mir
die Dunkelheit anbricht.

Und ich weiß jetzt schon:
meine Reise ist auch morgen wieder phasenweise.

Das ist mein Leben,
so wie es ist.
Manchmal gelingt das mit dem Band dazwischen,
und manchmal auch nicht.

Ein Tag ist ein schöner,
wenn ich das begreife,
mich nicht als Person,
nicht meinen Wert als Mensch anzweifle.

Und wenn das stabile Wellenfeld wieder auseinanderfällt,
will ich dort verweilen –
auf Phasen,
spontane Phasenwellen reiten.

Mittendrin.
Nein: dazwischen sein.
Und am liebsten dazwischen
bleiben.

Denn meine Reise ist jeden Tag:
dazwischen
phasenweise 〜

ɣ klrxT ❥

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