Phasenweise …
ist ein Text über meine guten und schlechten Tage –
die phasenweise wiederkehren.
Sie gehören dazu, und trotz des Makels, den ich in mir trage,
halte ich hin und wieder inne
und frage mich,
ob ich nicht langsam spinne.
Aber was ist eigentlich ein schöner Tag?
Ein Tag, an dem ich lieber schlafen als lachen mag?
An dem ich ausgeglichen bin – verglichen mit meiner Sorgenstirn.
An dem meine dünne Haut nicht zerreißt
und meine Stimmung nicht in zwei Teile entgleist:
Up – Down
On – Off
Top – Bottom…
wenn ich nicht in eine dieser Richtungen kippe.
Wenn ich zwischen Dünnhäutigkeit bleib- und meterdickem Fell,
zwischen Taubheit und 180 Dezibel,
zwischen Hochdruck und viel zu wenig Reiz,
zwischen Gereiztheit, „Geiz ist geil“ und Geld zum Fenster hinauswerfen,
zwischen ganz egal …
und an der Schwelle disharmonisch vibrierender Nerven.
In minimaler Verweilzeit:
von total gut drauf,
euphorisch viele Sachen machen
am liebsten alle auf einmal –
plötzlich: ein Zustand im Vakuum – verloren,
eingefroren im Pulsschlag,
ertrag ich die Situation,
lass sie über mich ergehen.
Dazwischen wäre schön.
Stimmung ausgeglichen und stabil,
nicht zu niedrig, nicht zu viel.
Langlebig auf dem Mittelwert –
zwischen Wellental und Wellenberg.
Ich denk dann immer so:
von wegen neurodivergent, neurodivers –
bei mir so: neu – ro – divorce.
Und nicht nur rechte und linke Gehirnhälfte getrennt
die ja für gewöhnlich zusammenarbeiten … sollten…
In meinem Raumzeitoberstübchen – nö.
Da tingeln sogar einzelne Fragmente umher.
Was Fragmente?
Fuckmente – im Vakuum,
wie Weltraumschrott in meinem Universum.
Mein Tag in Fuckmenten ist ein schlechter Tag.
„Gönn dir“, sagt mein Sohn,
wenn ich Down bin und im Bett liegen bleibe,
mir Schokolade wie diese Fuckmente einverleibe.
„Ruhig Braune“, sagt meine Kollegin,
wenn sie merkt, dass ich im angeregten Zustand Richtung Up abgleite
oder eher auftreibe, mich aufreibe.
„Ruhig Braune“ –
nein, ich kann jetzt nicht ruhig bleiben!
Mich zusammenreißen?
Zähne zusammenbeißen?
Gelingt nicht.
Erst denken, dann handeln?
Fehlanzeige.
Erst denken, dann sprechen?
Nee, du Arschgeige!
Meine Energie – zusammengeballt –
wird in verschiedene Richtungen abgestrahlt,
auseinandergerissen – abrupt.
Zwei Elementarteile fliegen –
werden an die entgegengesetzten Ränder des Sonnensystems vertrieben.
Aber dazwischen,
zwischen Milliarden Bar und Nullpunktsschwingung,
zwischen
„Gönn dir“ und
„Ruhig Braune“,
hab ich jetzt ein Band gespannt, ein Seil, eine Kette.
Darauf will ich balancieren
und dabei den Halt auf keinen Fall verlieren.
Ich als Kraftquant, mit den Gegensätzen in jeder Hand –
damit jongliere,
und ich glaube daran,
dass ich die Teile am Ende der Strecke – zusammenführe –
zusammenführen kann.
Denn Gegensätze ziehen sich an,
verschwinden dann und wann
und werden zu Licht.
Aber sie kehren auch zurück –
das ist dann,
wenn bei mir die Dunkelheit anbricht.
Und ich weiß jetzt schon:
meine Reise ist auch morgen wieder phasenweise.
Das ist mein Leben,
so wie es ist.
Manchmal gelingt das mit dem Band dazwischen,
und manchmal auch nicht.
Ein Tag ist ein schöner,
wenn ich das begreife,
mich nicht als Person,
nicht meinen Wert als Mensch anzweifle.
Und wenn das stabile Wellenfeld wieder auseinanderfällt,
will ich dort verweilen –
auf Phasen,
spontane Phasenwellen reiten.
Mittendrin.
Nein: dazwischen sein.
Und am liebsten dazwischenbleiben.
Denn meine Reise ist jeden Tag:
dazwischen – phasenweise.
Ɣ❤︎